Potenzialstudie "Industriepark Kreislaufwirtschaft Bauen"

 

Studie für die Zukunftsagentur Rheinisches Revier

Potenzialstudie Urheberrecht: rb

Vor dem Hintergrund politisch geforderter Klimaschutzziele, steht das Rheinische Revier vor großen Herausforderungen. Die durch Kohleabbau geprägte Region erfährt schrittweise einen Wandel der wirtschaftlichen, aber auch der räumlichen Struktur. Flächen der fossilen Energieproduktion werden zukünftig frei und können neuen Nutzungen zugeführt werden. Zudem sind Bauten und ihre Gebäudesubstanz hinsichtlich ihrer Nutzbarkeit zu prüfen, um sie dann einem möglichst ressourceneffizienten Verwertungsszenario zuzuführen. Oft liegen Industriegrundstücke an strate­gisch bedeutsamen Stellen und eine bestehende Infrastruktur könnte weiterhin genutzt werden. Des Weiteren stellt die abgebrochene Gebäudesubstanz der vorhandenen baulichen Strukturen Potential zur Aufbereitung dar. All dies bietet Chancen für einen Industriepark Kreislaufwirtschaft Bau (IKB), für dessen Entwicklung ein Grundlagenkonzept erarbeitet wurde damit ein standortbezogener Strukturplan erstellt werden kann.

Um die Ziele, Strategien und Leitsätze eines solchen Industrieparks zu ergründen, wurden vergleichbare Parks im internationalen Kontext analysiert. Von insgesamt 60 Parks erwiesen sich 8 als Best Practice Beispiele, zu denen bspw. das Lippewerk und der Chempark (DE), der Eco Industrial Park Kalundborg (DK) oder die Blue City (NL) gehören. Die Industrie- und Gewerbeparks wurden hinsichtlich verschiedener Nutzungskategorien untersucht und eine Übertragbarkeit für den IKB im Rheinischen Revier entwickelt. Entscheidend war die Etablierung von Stoffkreisläufen von Neben- und Endprodukten aus der Produktion, Infrastruktur und den Gebäuden. Ferner sollten die ansässigen Unternehmen Wertschöpfungspartnerschaften eingehen, sodass das Teilen von Materialien, Wissen und Daten ermöglicht wird. Infrastrukturelle Aspekte, wie ein gemeinsames Abfall-, Energie-, Wasser- und Parkmanagement wurden ebenfalls als Kriterium herangezogen. Schließlich sollten zusätzlich Forschungs- und Besuchermöglichkeiten offeriert werden.

Im Anschluss an die Analysen wurden standortspezifische Grundlagen ermittelt, die auf Besonderheiten des Strukturwandels im Kohlerevier zurückzuführen sind. Potentielle Standorte in der Region wie Kraftwerke oder Kasernen wurden hinsichtlich möglicher Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, Abriss- und Rückbauunternehmen, Baustoffverwertern und Materialabnehmern in einem Einzugsradius von 50 km untersucht und bezüglich ihrer Anbindung, ihres Naturraums und ihrer zeitlichen Verfügbarkeit analysiert. Dabei überzeugte der Standort des Kraftwerks Frimmersdorf gegenüber den anderen Standorten.

In einem nächsten Schritt wurden die für die Umnutzung relevanten normativen Prozesse ausgewertet. Baurechtliche Schritte sowie naturschutz- und emissionsschutzrechtliche Prüfungen wurden in ein Ablaufschema gebracht, dass als Orientierungshilfe für Genehmigungs- und Änderungsverfahren dienen kann. Schließlich konnten zwei Strukturplanvarianten ausgearbeitet werden, die nicht nur konzeptuell und in ihren baulichen Schritten dargestellt werden, sondern auch in einem jeweils eigenen Entwurf.

Das Konzept zur Umnutzung des Kraftwerkareals gliedert sich in drei Teile. Diese bestehen aus dem Historischen Kraftwerk, einem Gewerbe- und Industriepark und einem Recyclingzentrum. Der südliche Teil, das Historische Kraftwerk, und das Recyclingzentrum im Norden des Areals dienen dabei als Ankerpunkte für den gesamten Industriepark, sodass eine Klammer entsteht, die einen Branchenmix in der Mitte zulässt und stärkt. Die Verbindung der beiden Teile im Norden und Süden erfolgt über eine Verbindungs- und Versorgungsachse, an der auch die Adressbildung für die ansässigen Unternehmen erfolgt. Die beiden Varianten zur Umsetzung des Parks unterscheiden sich in ihrer Schwerpunktsetzung: Entweder mit Gewerbe, FuE sowie Dienstleistungen oder mit Produktion und (Weiter-)Verarbeitung von Rohstoffen. Alle Cluster sollen in beiden Varianten mit einer jeweils stärkeren Gewichtung einbezogen werden. Dabei streben beide Varianten an, die Leitsätze aus der vorhergegangenen Analyse zu erfüllen und alle relevanten Nutzungskategorien der Stoffströme und des Recyclings, der Kommunikation und des Datenaustauschs, der Logistik und Infrastruktur sowie Energie- und Wasserkreisläufe und -zusammenhänge zu berücksichtigen.

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Die Studie ist online